Was Ärzte heute von der Niederlassung abschreckt, in die innere Emigration  oder den vorzeitigen Ruhestand treibt

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)


Der Kassenpatient hat laut SGB-V Anspruch auf das, was wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig ist, um eine Krankheit zu behandeln oder zu erkennen (WANZ-Prinzip des § 12 SGB-V). 

Sogar im Bereich der Krankheitsfrüherkennung beanspruchen die Kassen, zu definieren, was WANZ ist und was darüber hinausgeht, also vom Patienten selbst zu zahlen wäre. Interessanterweise wechselt das zuweilen.

Danach beinhaltete die Gesundheitsuntersuchung (GU) bis Anfang 2019 eine Anamnese, eine körperliche Untersuchung, die Bestimmung einiger Laborwerte (Harnstreifentest, Blutzucker, Gesamt-Cholesterin) und die abschließende Beratung des Patienten. 

Seit 2019 sind an Blutwerten HDL- und LDL-Cholesterin, sowie Neutralfett hinzugekommen, dafür wurde der zeitliche Abstand auf drei Jahre gestreckt. Die Kassen wollten sogar einen Turnus von fünf Jahren vereinbaren.

Ärzte, die den Patienten den dürftigen Umfang der Labor-Leistungen erklärt hatten, wurden von den Kassen regelmäßig als Abzocker hingestellt, wenn sie Patienten anboten, die GU durch weitere nützliche - vom Patienten zu zahlende - Laborwerte wie HDL- und LDL-Cholesterin, Neutralfette, Leberwerte, Blutbild, Senkung, Nierenwerte zu vervollständigen.

Auch präventive Ultraschall-Untersuchungen, eine standardisiertes Hautkrebsscreening und eine Darmspiegelung zur Darmkrebsprävention gab es lange Zeit nicht im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Heute gibt es sie: bei Patienten ab 35 das Hautkrebs-Screening, bei Patienten ab 55 die Darmspiegelung, bei älteren Männern das Ultraschall-Screening auf Bauchschlagader-Erweiterung. 

Kann das, was heute von den Kassen bezahlt wird, früher Abzocke der Ärzte gewesen sein? 

Die Altersgrenzen der Kassen-Vorsorgen sind dabei willkürlich gesetzt. Nach der steigenden Häufigkeit der Erkrankungen mit dem Alter, aber auch nach der Summe Geldes, das die Krankenkassen dafür ausgeben wollen. Darmkrebs kann auch vor dem Alter von 55 Jahren, Hautkrebs auch vor 35 Jahren auftreten. Auch Verlängerung des Untersuchungsintervalls von alle zwei auf alle drei Jahre bei der GU ab 2019 ist willkürlich. Eine "Gesundheitsuntersuchung" ohne Blutbild, Leberwerte, Harnsäure und Nierenwerte ist Stückwerk. Bluthochdruck oder die Zuckerkrankheit warten nicht, bis das dreijährige Untersuchungsintervall um ist.  

Wenn Patienten also nach Beratung mit ihrem Arzt zusätzliche Untersuchungen durchführen lassen wollen (oder solche in kürzeren Intervallen) die sie selbst bezahlen, muss ihnen das unbenommen bleiben und darf von den Krankenkassen nicht als Abzocke bezeichnet werden.

Ärzte-Bashing durch Krankenkassen und Medien, was die Reputation der Ärzte zu untergraben geeignet ist.