Was Ärzte heute von der Niederlassung abschreckt, in die innere Emigration  oder den vorzeitigen Ruhestand treibt

Ärzte-Bashing können wir auch selbst


Hier geht es um die Klatschen, die wir als niedergelassene Ärzte von unseren Körperschaften KV und Kammer einfangen. 

Ich habe da eine Vielzahl von Beispielen, die vor allem Vertragsärzten gelten. Schwerpunktmäßig richtet sich dieses Kapitel deshalb an Vertragsärzte. Aber auch andere Ärzte oder Laien können versuchen, sich in die schwierige und oft absurde Thematik der Kassen-Gebührenordnung einzuarbeiten.

1. Vorsicht Falle bei der Gesundheitsuntersuchung (GU).
Die Abrechnung der GU erfolgt mit der Ziffer 01732 und den Labor-Ziffern 32882 (Lipidprofil), 32881 (Blutzucker) und 32880 (Harnstreifentest). Im Rahmen einer Plausibilitätsprüfung fragt die KV nach diesen Laborwerten.
Bei Diabetikern, die im DMP eingeschrieben sind, brauchen Sie zwei BZ-Werte. Einen für die GU und einen fürs DMP. Können sie nur einen BZ-Wert vorlegen, wird Ihnen die komplette 01732 gestrichen. Warum? 

Weil die Leistungslegende der 01732 lautet: "Gesundheitsuntersuchung gemäß der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie". Laut Richtlinie besteht die Untersuchung aus 1. Anamnese, 2. Ganzkörperstatus, 3. Laborwerten, 4. Impfstatus, 5. Beratung, und 6. Folgerungen. Haben Sie nun aber keinen BZ-Wert zur GU gemacht, weil Sie dem Wirtschaftlichkeitsgebot des SGB-V folgen und es völlig zu Recht völlig schwachsinnig finden, bei einem diagnostizierten Diabetiker, dessen BZ-Wert sie aus kurativer Behandlung kennen, ein weiteres Mal Blut abzunehmen und den BZ-Wert zu bestimmen, haben Sie nach Lesart der KV Nordrhein (KVNO) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) den Leistungsinhalt der GU nicht vollständig erbracht. 

Damit sind alle von Ihnen erbrachten Teilleistungen der GU null und nichtig, und das Honorar für die 01732 wird von der KV zurückgefordert. Das Problem bestünde nicht, wenn die Leistungslegende der GU wie folgt lauten würde: "Gesundheitsuntersuchung gemäß der Gesundheitsuntersuchungs-richtlinie, mit Ausnahme der separat abrechenbaren Laboruntersuchungen". 

Genau diese Änderung wird aber von der KBV abgelehnt. Mit der bekannten Folge, dass die KVNO bis zu einigen Tausend Euro Honorarkürzung gegen Ärzte ausspricht, denn man könne von den Vorgaben der KBV nicht abweichen. Die Ärzte bedanken sich herzlich für die Klatsche. 

Beim Fehlen der Lipide oder des Harnstreifentests (Patient: ich habe gerade nichts in der Blase / ich habe gerade meine Tage) gilt das Gleiche, wenn es der KV auffällt. Manchmal kann man noch so intensiv den Patienten hinterhertelefonieren, ohne dass es gelingt, von ihnen Urin zu bekommen. Dann ist der ganze ärztliche Teil der GU nicht abrechenbar. 

Das von der KV eingezogene Geld fließt an die Kassen, weil die GU nicht aus der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) bezahlt wird, sondern zusätzlich als Einzelleistung.


Hier geht es zu einem weiteren Beispiel aus dem EBM-Bereich.