Was Ärzte heute von der Niederlassung abschreckt, in die innere Emigration  oder den vorzeitigen Ruhestand treibt

Analoge Abrechnung Aufsuchen der Leiche


Ärzte haben versucht, an Stelle der GOÄ-Ziffer 50 (Besuch, einschließlich Beratung und symptombezogene Untersuchung) eine Analogziffer wie z.B. A50 (Aufsuchen eines Toten,  einschließlich Befragen der Anwesenden oder Angehörigen und Ausschluss einer Reanimationsindikation) zu berechnen. Aufwand und zeitlicher Umfang der GOÄ 50 und A50 sind insoweit vergleichbar. Hinzugesetzt werden Unzeitzuschläge und Wegegeld.

So könnte man ein dem Umfang und Zeitaufwand angemesseneres Honorar erzielen und besondere Umstände wie Fäulnis, Körperzerstörung, unbekannte Leiche im Steigerungssatz berücksichtigen. Aber auch das wird vom Bundesministerium als unzulässig bezeichnet, weil nach dessen Auslegung aus dem Text der GOÄ folge, dass neben der Ziffer 100 ausschließlich Wegegeld berechnet werden könne. 

Einige Ärzte verwenden deshalb ein Beiblatt zur Leichenschau-Rechnung
in dem sie dezidiert den Dissens zur Auffassung des Ministeriums benennen und den Angehörigen anheim stellen, die Rechnung einschließlich des erfolgten und notwendigen Aufsuchen des Patienten (Ziffer A50) zu begleichen, oder aber zurückzusenden. Da bei diesem Vorgehen kein Irrtum über die Zahlungspflicht erregt wird, dürfte ein Betrugsvorwurf schwer fallen.

34 Jahre nach dem Webfehler in der GOÄ hat jetzt das  Bundesgesundheits-Ministerium reagiert und einen Referenten-Entwurf für eine Neuregelung der Leichenschau-Vergütung vorgestellt, der nach Zustimmung des Bundesrates am 1.1.2020 in Kraft treten soll. Darin ist zwar eine deutlich höhere Vergütung für die Leichenschau vorgesehen, aber das Ministerium will weiter an der absurden Regelung festhalten, die einfachste Form der Leichenschau (im Krankenhaus durch den vor Ort befindlichen Krankenhausarzt) gleich hoch zu bewerten wie wenn der Arzt sich zur Leichenschau zur Wohnung des Patienten, ins Altenheim, ins Hospiz oder an den Auffindungsort (bei Leichenauffindung im Freien) begeben muss.

Der Beweggrund für dieses Festhalten dürfte sonnenklar sein: Ministerialbeamte machen keine Fehler. Wenn das Ministerium 34 Jahre lang die sachlich eindeutig gebotene separate Berechnung des Aufsuchens als nicht berechnungsfähig bezeichnet hat, wie kann es da plötzlich eine separate Gebühr für das Aufsuchen einführen, ohne sich zu blamieren?


Auf der nächsten Seite stellen wir den Referentenentwurf des BMG vor 
und natürlich dessen Fehler.